Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                   ISSN 2509-7601


 
 

Liberale Muslime zunehmend im Abseits - Ein kurzer Zwischenruf zu Elisa Rheinheimer-Chabbis Kommentar „Kopftuchverbot: Empörendes Urteil“

(vorab veröffentlichte Online-Version unter https://www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft/kopftuchverbot-empoerendes-urteil)

Elisa Rheinheimer-Chabbi echauffiert sich über die beiden sog. Kopftuch-Urteile des EuGH vom 14.03.2017, die für muslimische Kopftuchträgerinnen und private Unternehmen maßgeblich sein werden. Die Autorin bezeichnet „das Urteil“ als empörend.

Die zahlreichen Details der Urteile sind für die an der Jurisprudentia Interessierten hier nachzulesen: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=14.03.2017&Aktenzeichen=C-157%2F15

Es ist zurückzufragen: Hat Rheinheimer-Chabbi nicht gar selbst ein empörendes Urteil über die Urteile verfasst? Viele Dinge sprechen dafür. Wie dem aber auch sei, leider zeigt der Kommentar eine sehr schwache Seite der grundsätzlich empfehlenswerten Zeitschrift Publik-Forum auf. Frau Elisa Rheinheimer-Chabbi setzt schlichtweg eine falsche Prämisse, die sich in diesem Satz offenbart: „Dass das Kopftuch von einer Mehrheit der Muslime als religiöse Pflicht angesehen wird und schon deshalb mit anderen religiösen, philosophischen oder politischen Bekundungen schwer vergleichbar ist, wird vom Gericht ganz ausgeklammert.“

Intellektuelle Pirouette der Autorin

Rheinheimer-Chabbi erweist nicht nur allen moderaten Musliminnen (ja, hier steht jetzt nicht vorauseilend und politisch-überkorrekt das diktierte Wort Muslima), die mit gutem Recht ohne Kopftuch auskommen können, einen schlechten Dienst. Die Autorin favorisiert mit ihrer sicherlich falschen Mehrheitseinschätzung der muslimischen Kopftuchträgerinnen eine einzige von mehreren möglichen Interpretationen des Islam. Möchte sie eine konservative oder vielleicht auch fundamentalistische Lektion in Sachen Wie erkläre ich mir und anderen den Koran erteilen? Warum leistet sie sich den für ihre Verhältnisse ins Auge springenden Gender-Fauxpas, dass nur Männer („Mehrheit der Muslime“) die religiöse Kopftuchpflicht aussprächen? Dass aber in Rheinheimer-Chabbis tendenziöser Grundannahme eine überraschende Pointe liegt, werden wir im weiteren Verlauf dieser Betrachtung noch auf den Punkt bringen können.

Eine unglaubliche intellektuelle Pirouette dreht Frau Rheinheimer-Chabbi indes mit der Frage: „Wann ist endlich Schluss damit, dass Männer meinen, über den Kleidungsstil und das Auftreten von Frauen urteilen zu dürfen?“ Nota bene: Sie scheint diese Frage tatsächlich an den EuGH zu richten, obwohl dort auch Frauen an den beiden Urteilen mitgewirkt haben. Also bitte! Diese Frage dürfte doch sicherlich eher muslimischen Männern gestellt werden.

Aber dessen nicht genug: Elisa Rheinheimer-Chabbi bemüht bizarre Argumentationsversuche, die bis zur Fassungslosigkeit irritieren können und durchaus eine geringe Informiertheit vermuten lassen. So antwortet sie einem an ihrer Sicht Zweifel anmeldenden Leser allen Ernstes auf dessen Online-Kommentar hin: „Es geht hier wohlgemerkt nicht um das Tragen einer Burka oder Niqab, es geht um das Kopftuch. Und das ist kein Kleidungsstück, das "unkenntlich" macht, wie Sie es nennen. Oder finden Sie es im Winter auf der Skipiste ebenso abstoßend, dass Sie die Haare der Skifahrerinnen nicht sehen können, weil diese unter einer Mütze oder einem Helm verborgen sind?“

Brisanz für den deutschen Arbeitsmarkt durch Einbezug der Riten

Interessant bleibt, dass der EuGH ungeachtet der ... 


 Fortsetzung in Kürze         






                     

                                                                                                                         

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