Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                   ISSN 2509-7601

  

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Orgel & High Fidelity - Raum als Gewand der Musik                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Die gute alte Stereophonie lebt von ihrer „bewährten“ Aufstellungsphilosophie, dem gleichschenkeligen Dreieck mit den Eckpunkten, dem Hörer und zwei Direktstrahlern. Sind’s zwei oder drei Personen mehr, die womöglich nebeneinander sitzen, wird’s akustisch ungemütlich. Die „Hochtonkeulen“ trüben gemeinsamen Musikgenuss. So gelten nach wie vor alte Regeln und Empfehlungen – nachzulesen in allen Magazinen dieser Welt – nur für den begehrten Stereostuhl, den „sweet spot“. Damit das so bleibt, werden in wortreichen Darstellungen Monat für Monat Klangbeschreibungen abgeliefert, die Seiten füllen, Geldbeutel leeren und beim (leicht)gläubigen Hifi–Jünger dennoch keine rechte Freude aufkommen lassen, wenn die akustisch aktiven Designmöbel das schwach gedämpfte Heim beschallen. Sind darunter echte Musikliebhaber, die öfters Live–Konzerte besuchen, in denen mit akustischen Instrumenten musiziert wird, so offenbart sich jedes Mal die enttäuschende Diskrepanz zwischen dem Hörerlebnis im Konzertsaal und der Reproduktion daheim.           

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Testtöne Orgel-Pedaltöne (bis zum untersten Frequenzbereich - 32'-Register) im WAV-Format (9 MB)  

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Derart genervt war es dem Schreiber dieser Zeilen ein Anliegen, diesen scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz zu mildern. Das geschah über die Jahre hinweg in mehreren Stufen. Zunächst verließ er den tugendhaften Pfad der Dreiecksstereophonie und wandte sich frühzeitig der Mehrkanaltechnik zu, die sich bereits in den 80-er Jahren mit dem Pentasone-System des Physikers W. Bien anbot (Test in Fono Forum 11/88), investierte in fünf BBC Kleinmonitore der Sorte LS 3/5a, begleitet von einem 15er Sub und ebenso vielen Endstufen, die jede ihr eigenes Signal von einer elektronischen Matrix pegelverschieden geliefert bekommt. 

Weil die fünf Böxchen auf einem Kreisbogen von etwa 120° Öffnungswinkel gleichmässig vor dem Hörer verteilt sind, öffnet sich ihm – man kann auch zu dritt nebeneinander sitzen – ein akustisches Panorama, das sehr viel mehr dem im Orginal vorhandenen Wellenfeld zum Beispiel eines Symphonieorchesters entspricht. Die horizontale Schallverteilung in der Direktschallebene wird verbreitert, die Detailauflösung deutlich verbessert. Die vielen Zwei-Kanal-LPs und -CDs entdeckt man damit neu. In der zweiten Stufe fügt der legendäre DSP E 1000 von Yahama echte, frei wählbare Rauminformationen dem Direktschall zu, die vor und hinter dem Hörer in ca. 1,80m Höhe eingespielt werden (akustische Mischung). Die Dosierung erfordert allerdings Feingefühl und Hörerfahrung (Synthetische Klangfelder in Sound & Vision, Heft 7/8 - 95 Zürich).

Das brachte wiederum einen deutlichen Gewinn mit dem als echt empfundenen Eingebundensein in den Aufnahmeraum, das aber nichts mit den bildbezogenen Geräuschkanonaden üblicher Surroundsysteme zu tun hat. Der Raum wird zum Gewand der Musik! Zweiflern sei die Lektüre des Buches „Mono – Stereo – Quadro“ und dort u.a. der Beitrag von Dr. Dorothea Baumann „Musizieren im Raum – live“ (ISBN 3-7245-0592-2) empfohlen.                                                                                                                             Die „Zündung“ der letzten Stufe ergab sich mehr aus einer Probierlaune heraus und hat eine Vorgeschichte. Als Liebhaber und Bewunderer der Pfeifenorgel, ihrer Erbauer und ihrer Klangwelt bestand der Wunsch nach einem eigenen Instrument. Größe und Preise desillusionierten aber derart, dass als Alternative nur das elektronische Plagiat diskutiert werden konnte. Moderne Long-loop-sampling-Technik im 20- oder 24-bit-Format tröstet durch die Echtheit der gespeicherten Registerstimmen über das Kopierverfahren hinweg. Allerdings nur dann, wenn geeignete Schallwandler verwendet werden. Und genau da fehlt es an überzeugenden Lösungen.

Hier wies das Studium geeigneter Literatur den Weg zur Selbsthilfe. So entstanden kleine Rundstrahler in Zweiweg-Anordnung, deren Richtcharakteristik der der Pfeifen entspricht. Hörversuche bei einer Orgelbaufirma im Stuttgarter Raum bestätigten die Richtigkeit des Lösungsansatzes eindrucksvoll. Weil sich über diese beiden Prototypen jede Art von Musik erfrischend, frei und natürlich anhörte (die tonale Abstimmung orientierte sich am LS- 3/5a -Vorbild – eine mühsame Arbeit – wurde die Neugier geweckt, mal eben diese „abnormen“ Wandler in das 5 -Kanalsystem miteinzubeziehen. Sie laufen parallel zu den beiden Hauptlautsprechern R und L mit.

Bei sorgfältiger Pegelanpassung ergibt sich jetzt eine erstaunliche „Öffnung“ nach oben und eine „Auffüllung“ in der Breite. Die „Körperlichkeit“ virtueller Schallquellen wird deutlicher, das Ganze natürlicher, so dass die Dame des Hauses – bei diesem Thema Kummer gewohnt – diesen „Zusatz“ beim gemeinsamen Hören nicht mehr missen möchte! Also alles perfekt? Darf man – so wie hier – mischen? Direkt – diffus – rundum? Oder gilt einfach im Zeitalter des grenzenlosen Liberalismus: “Erlaubt ist, was gefällt“? Darüber lässt sich sicher trefflich streiten!! (hjn)                                                                                                                                                                                             

                                                                                                                                                                                                                                                                                  

                                                                                                                        

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