Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche
Selbstverständlich war Pater Robert Francis Prevost eine gute Wahl. Die Schnittmenge ist groß und vielfältig. Für alle ist etwas dabei. In Zeiten, in denen sich viele Katholiken wie in einem Boot fühlen, ist es gut, wenn nicht alle auf einer Seite sitzen.
Die ersten Eindrücke perpetuieren sich: Liturgisch ganz klassisch auf der Loggia - mit Mozetta und bekannter Stola, mit liturgischem Gruß, lateinischem Ave Maria und einem Ablass, ja das wird wohl das Kontrastprogramm zum Sozialethischen sein. Wir kennen es. Sein Bekenntnis zum synodalen Prozedere kann die Protagonisten des sog. Synodalen Weges bundesdeutscher Couleur jedoch sicherlich eher besorgen als trösten.
Um die Ausrichtung Leos XIV. einmal politisch in gesäßgeografischer Manier einzuordnen: Kirchenpolitisch mag er wohl eher rechts und in der katholischen Sozialehre definiert links sein. Das hatten wir alles bereits und es funktioniert. Johannes Paul II. brachte es in der Tradition Leos XIII. auf den Punkt. Die Stichwörter seiner Soziallehre wie "Strukturen der Sünde" nebst "Tugend der Solidarität" müssen an dieser Stelle reichen.
In dem voraussichtlich langen Pontifikat Leos XIV. wird noch vieles zu klären sein. Insofern sind viele Einschätzungen elaborierte Kaffeesatzleserei, wenn auch Leos erste Enzyklika Magnifica humanitas richtungsweisend daherkommt. Seine theologische Anthropologie wendet sich dezidiert gegen transhumanistische Narrative.
Bislang unterbelichtet: Wie hält es Leo XIV. mit dem Ordo amoris?
Nach wie vor fiel Leos pointierte Einlassung zu J. D. Vance auf: "JD Vance is wrong: Jesus doesn't ask us to rank our love for others" (Robert Prevost auf X - 03.02.2025).
Vielleicht hat Jesus das derartig gesehen. Leos Aussage mag völlig korrekt sein und sich JD Vance mit Lexikonwissen irren. May be. Kirche und Theologie haben sich im Laufe der Jahrhunderte gleichwohl immer wieder in einem gemeinschaftlichen Ringen gefragt, welche Stufungen der Nächstenliebe angesichts realer Herausforderungen zu treffen sind. Augustinus und Thomas von Aquin waren hier die Pioniere für Rettungssanitäter oder Sozialarbeiter. Der Alltag hält hier diverse Polylemmata bereit. Die Politik ebenso.
Der Vorhalt aus dem universitären Betrieb, dass Thomas von Aquin lediglich systematisieren und nicht priorisieren wollte, weil eine Entwertung Dritter die Folge wäre, mutet argumentativ etwas schwach und ideologisch doch hilflos an. Kurzum: Darf ich mein eigenes Kind zuerst retten?
Selbstverständlich gibt es eine begründbare Hierarchie der Nächstenliebe. Wenn christliche Sozialethik nicht zumindest Hinweise für eine Schwerpunktsetzung innerhalb des Politischen liefern kann, wäre diese Kraftlosigkeit eine neue Kalamität. Der Ordo amoris wird weiterhin ein Thema bleiben. Zwangsläufig.
Vielleicht kann Leo XIV. mithelfen, noch ein wenig mehr Struktur in die Angelegenheit einzupflegen. (Update Sept. 2026/mpk)